Gera-Lusan - ein Stadtteil blüht auf
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Donnerstag, 9. September 2010
 
Zum schönen Schwan werden

Erfolgsgeschichte Lusaner Stadtumbau - Visionen lassen weiter Gebiete schrumpfen

 

Von Petra Lowe Gera. "Wir sind Lusaner." Das ist kein werbewirksamer Lockruf der Stadtplaner, um Attraktivität vorzugaukeln. Im größten Plattenbaugebiet Geras führen die Einwohner stolz ihren Wohnort im Namen. Lusan bekommt ein positives Image, ein Wandel, den man anderen Ortes in der Stadt beneidet. Aus dem hässlichen Entlein soll ein schöner Schwan werden.

Dem Stadtumbauprogramm Ost sei Dank, gelingt etwas, das vorher kaum für möglich gehalten wurde. Der Stadtteil holt Weggezogene wieder zurück, zieht gar neue Bewohner an. "Weiche Schale, harter Kern" ist das Leitbild, das über der Stadtentwicklung in Lusan steht. "Vom Rand her schrumpfend, soll Lusan im Kern stabil bleiben", erklärt Stadtplanerin Birgit Ungnad. Das beschreibt einen Prozess, der im Rahmenplan der Stadt 2005 festgehalten ist. Dass der Plan bei konkreter Umsetzung nicht immer auf freudiges Echo stößt, weiß auch Ungnad. Umbau ist nicht nur schöne Sanierung. Es heißt Abriss, heißt Veränderung, heißt Aufgabe des Gewohnten. Dennoch. Die Alternative wäre Leerstand, halb verlassene Häuser, vernachlässigte Quartiere, betont die Stadtplanerin. Die allerorten beklagte Schrumpfung der Städte habe Lusan arg betroffen: 44 500 Einwohner zur Wende, jetzt noch rund 22 100. Bis zum Jahr 2020 sollen es noch 19 000 bis 21 000 Einwohner sein. 2002 bis 2005 habe auch Lusan besonders schwierige Jahre der Abwanderung verkraften müssen, so Ungnad. Viele junge Leute hätten die Stadt verlassen, was wiederum Auswirkungen auf die Altersstruktur hatte. Mit einem Durchschnittsalter von 48 Jahren wird Lusan nur noch vom Bieblacher Hang mit über 50 Jahren übertrumpft. Dieser Überalterung will man entgegenwirken - mit schönem Wohnraum, angenehmer und grüner Umgebung, gesunder und guter Infrastruktur. Und die Signale, die die Stadtplaner auf die bisherige Umgestaltung erhalten, geben dem Recht: Lusan wird wieder nachgefragt. 75 Prozent der Wohnungen sind saniert. Die einzelnen Quartiere entwickeln eigenen Charme. Und 2007 auf 2008 konnte mit rund 500 Einwohnern der Wegzug auf geringem Niveau begrenzt werden.

Lässt sich dieser Trend gar ins Positive treiben, müsste die Zukunft der drei Um- sprich Rückbaubereiche im Süden, Südwesten und Nordosten umgeschrieben werden. Stadtplanung ist immer in Bewegung.

Seit 2001 bis Anfang des Jahres sind rund 3400 Wohnungen in Lusan der Abrissbirne zum Opfer gefallen. Bis 2020 werden es weitere 3000 Wohnungen sein. Umbaugebiete sind die Brüte, die Laune und Teile des Zentrums. Das Kerngebiet Lusan-Zentrum bleibt, wird saniert und dauerhaft aufgewertet. Dabei reicht die Gestaltung vom völligen Gebäuderückbau bis zum teilweisen Abriss von Etagen oder zur Veränderung der bisherigen Wohnungsgrundrisse. 10 000 bis 11 000 Wohnungen sollen am Ende noch übrig bleiben. Der Ideenreichtum und das millionenschwere Engagement der Wohnungsgesellschaften und Eigentümer hat da schon viel vollbracht. Besonderes Augenmerk liegt auf der Wohnumfeldgestaltung. Die Gestaltung des Brüte-Grünzuges ist von besonderer Bedeutung. In Zukunft könnte dies der grüne Rand des abgespeckten Lusans sein, denn die Umbaugebiete stehen letztlich auch auf dem Plan für einen flächenhaften Abriss und die spätere Umnutzung - eventuell für Eigenheime. Solange die Wonhungsunternehmen hier aber noch Darlehen und Geld auf den Gebäuden haben, die Substanz und Nachfrage nach den Wohnungen in Ordnung ist, werde keiner abreißen, ist Stadtplanerin Ungnad sicher.

Die Vision ist nicht hier ein Elfgeschosser und 100 Meter weiter noch einer. Es ist die Vision vom bewohnten Stadtteilkern, dessen Infrastruktur effektiv gestaltet, kurze Wege eingerichtet und soziale Versorgungseinrichtungen in zentraler Nähe sind. Genau das ist ein pulsierender und wirtschaftlich erfolgreicher Stadtteil. Überdimensionierte Energie- und Wasserleitungen über weite Flächen zu vereinzelten Häuserinseln sind es nicht.

So logisch diese Forderungen sind, so schwer könnten sie den einzelnen Bewohner treffen. Niemand solle auf der Strecke bleiben, die Bürger nicht, die Wohnungswirtschaft nicht und auch nicht die Stadt, betont Birgit Ungnad. Aber es bleibt auch nichts wie es war.

Quelle: OTZ (17.07.2009)
 
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